Rückblick
Mainfrankenmesse Würzburg

Vom 28. September bis 6. Oktober findet in Würzburg die Mainfrankenmesse statt. Natürlich sind auch wir dort vertreten – Sonntag, 29. September; Mittwoch, 02. Oktober und Samstag, 05. Oktober 2019 – in Halle 1.

Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist eine anerkannte, visuelle Sprache mit eigener Kultur. Sie ist die Muttersprache tauber Menschen. Es ist unverzichtbar, sich in DGS auszutauschen, zu kommunizieren und Spaß zu haben. Das sehen nicht nur wir vom Blick der Gebärdensprache e.V. so, sondern auch die Deaf Community in Bayern und ganz Deutschland. Wir, das heißt DGS-Muttersprachler und Interessierte, haben uns im Juni 2018 zusammengeschlossen und den Verein Blick der Gebärdensprache e.V. gegründet. Der Verein ist offen für alle Menschen, die sich für das Thema Inklusion tauber Menschen, DGS und die Taubenkultur interessieren. Denn Taubheit bedeutet Vielfalt.

Gerade in Würzburg und dem Bezirk Unterfranken besteht noch großer Aufklärungsbedarf im Bereich Gebärdensprache, Gebärdensprachler*innen und Gebärdensprachnutzer*innen. Es gibt zu wenig Dolmetscher*innen für DGS und auch in den Medien werden veraltete Begriffe wie taubstumm weiterhin regulär verwendet. Das müssen wir ändern! Daher wünschen wir uns, erste Schritte auf dem Weg zu einem besser aufgeklärten Mainfranken auf der Mainfrankenmesse erreichen zu können.

Auch in der Politik hat man sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt. In der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) wurden die Rechte der tauben Menschen verankert. Doch wie sieht es in der Realität aus? Speziell in Bayern gibt es beträchtlichen Nachholbedarf, was die Umsetzung dieser angeht! Denn auch 10 Jahre nach Inkrafttreten der UN-BRK stehen hörschädigten Kindern noch immer keine verlässlichen Strukturen für eine gleichberechtigte Bildung in Gebärdensprache zur Verfügung (BRK, Art. 24). Es gibt einzelne Erfolge durch engagierte Fachkräfte und Eltern, welche zum Teil vor Gericht erkämpft werden mussten. Doch es bestehen vielfach noch Barrieren – einerseits bedingt durch Unkenntnis, andererseits durch behindernde Strukturen. Erschreckend hierbei ist vor allem, dass es in Unterfranken keine neutrale Beratungsstelle zum Thema taubes Kind/ Implantation eines Cochlea Implantates gibt.

Eine bilinguale Förderung hörgeschädigter Kinder mit einem vollständigen Gebärdensprachangebot von Geburt/ Erstdiagnose an ist bislang die Ausnahme. Die Verankerung in der Praxis fehlt hier gänzlich. Wir fordern konkret: Gebärdensprache muss als gleichwertiges Angebot – parallel zur Laut- und Schriftsprache und unabhängig von der eingesetzten Hörhilfetechnik – angeboten und gefördert werden. Eins unserer Ziele ist auch, dass in der hiesigen Gehörlosenschule 50% des Kollegiums aus tauben Lehrern, Erziehern und Pädagogen bestehen soll. In diesem Zusammenhang muss auch der Name der Schule geändert werden. Dr. Karl Kroiß war ein hörender Lehrer, der den Schwerpunkt bei der Gehörlosenbildung auf das „Hören“ gelegt hat, das widerstrebt den heutigen Rechten, haben wir doch der BRK entsprechend nun ein Recht auf Bildung in DGS und auf die Förderung der sprachlichen Identität. Des Weiteren wollen wir durchsetzen, dass DGS Wahlpflichtfach an allen Schulen wird, sodass jedes Kind – ob hörend oder taub – eine Basis an DGS erwirbt. Jeder Schritt in diese Richtung bewirkt etwas mehr Chancengleichheit für hörgeschädigte Menschen!

Auch wir wollen auf der Mainfrankenmesse einen Schritt in diese Richtung gehen und präsentieren Ihnen einen ganzen Blumenstrauß mit Angeboten, die von den Anfängen der DGS und der Geschichte der Tauben über ein vielfältiges, barrierefreies Angebot in DGS bis hin zu der Bezugnahme auf Würzburg reicht. Denn da wir ein sehr junger Verein sind, bietet sich uns eine hervorragende Gelegenheit, auf der Mainfrankenmesse Würzburg und all seinen tauben, hörenden und schwerhörigen Menschen gebärdensprachlich – bunt zu begrüßen!

Wir freuen uns, Euch auf der Mainfrankenmesse Würzburg zu sehen! 

Euer Blick der Gebärdensprache e.V.